Seit August 2022 darf Titandioxid in der EU nicht mehr in Lebensmitteln stecken. In Zahnpasta ist es dagegen weiterhin erlaubt, auch in Kinderzahnpasta. Das wirkt widersprüchlich, und genau deshalb fragen viele, ob sie ihre Zahnpasta austauschen sollten.
Die kurze Antwort: Es gibt keinen Grund zur Panik. Es gibt aber auch keinen guten Grund, warum Titandioxid in Zahnpasta stecken muss.
Was Titandioxid ist und warum es in Zahnpasta steckt
Titandioxid ist ein weißes Pigment. Es macht Zahnpasta strahlend weiß und deckend, so wie es auch Wandfarbe, Sonnencreme und Tabletten weiß macht. Auf der Inhaltsstoffliste steht es als Titanium Dioxide oder unter der Farbstoffnummer CI 77891.
Wichtig ist, was Titandioxid in Zahnpasta nicht tut: Es pflegt nicht, es schützt nicht vor Karies und es macht deine Zähne nicht weißer. Es färbt ausschließlich die Paste selbst. Die weiße Farbe in der Tube hat mit der Farbe deiner Zähne nichts zu tun.
Warum es in Lebensmitteln verboten ist
2021 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Titandioxid als Lebensmittelzusatz (E171) neu bewertet. Ihr Ergebnis: Eine Schädigung des Erbguts lässt sich nicht ausschließen, deshalb kann der Stoff als Zusatz in Lebensmitteln nicht mehr als sicher gelten. Seit August 2022 ist E171 in der EU verboten.
Das heißt nicht, dass ein Schaden nachgewiesen wäre. Es heißt, dass die Sicherheit nicht belegt werden konnte. Bei Lebensmitteln reicht das für ein Verbot.
Und warum es in Zahnpasta noch erlaubt ist
Kosmetik fällt unter ein eigenes Recht. Der zuständige wissenschaftliche Ausschuss der EU für Verbrauchersicherheit prüft Titandioxid in Produkten, die verschluckt werden können, also Zahnpasta und Lippenstift. In seiner Stellungnahme von 2024 kam er zu dem Schluss, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um abschließend zu bewerten, wie viel Titandioxid über solche Produkte in den Körper gelangt und was das bewirkt. Die Hersteller sollen nachliefern.
Stand heute ist Titandioxid in Zahnpasta also erlaubt, weil die Bewertung noch nicht abgeschlossen ist. Verbraucherschützer empfehlen trotzdem, vor allem bei Kinderzahnpasta darauf zu verzichten.
Wie viel davon verschluckst du überhaupt?
Erwachsene spucken den größten Teil der Zahnpasta aus. Eine kleine Menge wird trotzdem verschluckt, jeden Tag, zweimal täglich, über Jahrzehnte. Kinder verschlucken deutlich mehr, weil sie das Ausspucken erst lernen.
Aus zahnärztlicher Sicht ist die Abwägung deshalb einfach: Ein Stoff, der keine Pflegewirkung hat und dessen Sicherheit beim Verschlucken offen ist, gehört nicht in ein Produkt, das täglich im Mund landet. Das ist kein Alarm, sondern Vorsorge.
So erkennst du Titandioxid auf der Tube
Dreh die Tube um und such in der Inhaltsstoffliste (INCI) nach:
- Titanium Dioxide
- CI 77891
Steht eines davon drauf, enthält die Zahnpasta Titandioxid. Eine besonders kreideweiße, deckende Paste ist ein Hinweis, aber kein Beweis. Verlass dich auf die Liste, nicht auf die Farbe.
Worauf es bei Zahnpasta wirklich ankommt
Wenn du schon die Inhaltsstoffliste liest, lohnt sich der Blick auf drei Punkte, die für deine Zähne tatsächlich einen Unterschied machen:
- Ein Wirkstoff zur Remineralisierung. Fluorid oder Hydroxylapatit stärken den Zahnschmelz und schützen vor Karies. Welche Variante zu dir passt, steht im Beitrag Zahnpasta mit oder ohne Fluorid. Mehr zum Mineral selbst findest du unter Hydroxylapatit-Zahnpasta.
- Ein geringer Abrieb. Zu grobe Putzkörper tragen auf Dauer Zahnsubstanz ab, besonders an freiliegenden Zahnhälsen.
- Keine überflüssigen Zusätze. Dazu zählen neben Titandioxid auch Mikroplastik und unnötige Farbstoffe. Mehr dazu im Beitrag über Zahnpasta No-Gos.
Und wer weiße Zähne möchte, erreicht das nicht über eine weiße Paste, sondern über die richtige Pflege. Wie das im Alltag funktioniert, steht in Zähne weiß halten.
Titandioxid bei MINT
Alle MINT Zahnpasten sind frei von Titandioxid. Die Farbe der Paste ergibt sich aus den Inhaltsstoffen selbst, deshalb ist sie nicht so kreideweiß wie manche Drogeriepasta. Das ist Absicht.
Für die tägliche Pflege gibt es die MINT Zahnpasta mit Fluorid und die MINT Zahnpasta ohne Fluorid mit Hydroxylapatit. Für Kinder ist die MINT Kinderzahnpasta die Variante ohne Titandioxid, gerade weil Kinder mehr verschlucken.
Häufige Fragen zu Titandioxid in Zahnpasta
Ist Titandioxid in Zahnpasta verboten?
Nein. In Lebensmitteln ist Titandioxid in der EU seit 2022 verboten, in Kosmetik einschließlich Zahnpasta ist es weiterhin erlaubt. Die Sicherheitsbewertung für Produkte, die verschluckt werden können, ist noch nicht abgeschlossen.
Ist Titandioxid in Zahnpasta schädlich?
Ein Schaden ist nicht nachgewiesen. Offen ist, ob der Stoff beim Verschlucken unbedenklich ist. Weil Titandioxid in Zahnpasta keine Pflegewirkung hat, spricht aus Vorsorgegründen viel dafür, darauf zu verzichten.
Woran erkenne ich Titandioxid in Zahnpasta?
In der Inhaltsstoffliste steht es als „Titanium Dioxide" oder „CI 77891". Die Farbe der Paste allein ist kein verlässlicher Hinweis.
Sollte Kinderzahnpasta ohne Titandioxid sein?
Ja, das ist sinnvoll. Kinder verschlucken beim Zähneputzen deutlich mehr Zahnpasta als Erwachsene. Verbraucherschützer raten deshalb besonders bei Kinderzahnpasta zu Produkten ohne Titandioxid.
Macht Titandioxid die Zähne weißer?
Nein. Titandioxid färbt nur die Zahnpasta weiß. Auf deine Zahnfarbe hat es keinen Einfluss.
Fachlicher Hintergrund: MINT Cosmetics wurde von Dr. Mariana Mintcheva gegründet, Zahnärztin mit Schwerpunkt ästhetische Zahnmedizin und Leiterin des MINT Dental Spa in Düsseldorf. Alle Ratgeber-Inhalte entstehen auf Basis zahnmedizinischer Praxiserfahrung. Sie ersetzen keine individuelle zahnärztliche Beratung.
