Mikroplastikfrei

Warum ist das Thema "Mikroplastik" in aller Munde?

Auf meiner Entwicklungsreise war ich sehr erstaunt, wie viele Zahn- und Mundpflegeprodukte Mikroplastik enthalten. Mikroplastik war bis dahin kein Begriff für mich. Aber ich wollte unbedingt wissen, was hinter dieser Problematik steckt und ob das vielleicht der Grund ist, warum immer mehr meiner Patienten über empfindliche Zahnhälse klagen. Die Wärme- und Kälteempfindlichkeit der Zähne ist mehr denn je ein Thema. Das Besondere dabei: Die davon betroffenen Patienten werden immer jünger. Mein Ziel als Zahnärztin ist es, den Zahnerhalt meiner Patienten zu sichern, deshalb bin ich diesem Phänomen auf den Grund gegangen.

Ob als Putzkörper in Zahnpasten oder als Peelingpartikel in Peelingcremes: Das Mikroplastik hat sich zu einem festen Bestandteil der Kosmetikwelt entwickelt. Oft kommt es nur aus optischen Gründen zum Einsatz, um Zahnpasten und Peelings beispielsweise in besonders ausgefallenen Farben oder mithilfe von Glitzerpartikeln erstrahlen zu lassen.

 

Mikroplastik wiederum besteht aus Polyethylen und Polypropylen und ist deshalb nicht abbaubar. Schüttet man ein wenig von der Zahnpasta durch ein feines Sieb, so bleiben darin zum Schluss viele bunte Kügelchen. Machen Sie einmal den Test bei Ihnen zu Hause! Sie werden erstaunt sein, wie viele davon im Sieb zurückbleiben. Unsere Klärwerke sind deshalb vollkommen überlastet. Sie können so eine hohe Anzahl an Mikroplastik gar nicht herausfiltern. Deshalb gelangen große Teile davon in die umliegenden Seen und anschließend auch in die Meere, wo es wiederum von den Fischen aufgenommen wird. Schlussendlich landet genau dieses Mikroplastik auf unserem Teller. Keine wirklich schöne Vorstellung – das ist aber die bittere Realität!


 

Die aktuelle Studienlage

Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Mikroplastik seinen Weg mittlerweile auch in viele Lebensmittel, ins Trinkwasser und in die Milch gefunden hat. So fanden Forscher der Universität Wien vor einigen Jahren winzige Plastikteilchen in menschlichen Stuhlproben. Das Erstaunliche dabei ist, dass die Probanden aus verschiedenen Teilen der Welt kamen. Mikroplastik ist demnach ein weltweites Problem. Alleine in Deutschland werden rund 330.000 Tonnen primäres Mikroplastik pro Jahr freigesetzt.

Über den Fund von Mikroplastik im menschlichen Magen-Darm-Trakt ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht überrascht. „Die Aufnahme von Mikroplastik [...] ist zu erwarten, da etwa Zahnpasta mit Mikroplastik auch versehentlich verschluckt werden kann [...]“, teilte das BfR mit.

Derzeit gibt es keine aussagekräftigen Studien über die Auswirkung von Mikroplastik auf den menschlichen Körper. Eines steht jedoch jetzt schon fest: In einer Umfrage des BfR waren mehr als die Hälfte der Befragten besorgt über das Vorkommen von Mikroplastik in Lebensmitteln. Denkbare Folgen könnten eine höhere Aufnahme schädlicher Begleitstoffe und daraus resultierende Entzündungsreaktionen sein.

Laut einer Studie der australischen University of Newcastle nimmt ein Mensch im globalen Durchschnitt bis zu fünf Gramm Plastik pro Woche auf. Das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Fazit: Mikroplastik verunreinigt nicht nur unsere Meere, sondern auch unsere Lebensmittel, unser Trinkwasser und sogar die Luft.


 

Ein Weckruf für die Welt

Der World Wide Fund For Nature (WWF) fordert in seinem Bericht vom März 2019 alle Regierungen auf, alle notwendigen Maßnahmen zur Plastikreduzierung einzuleiten.

In Großbritannien, den USA, Kanada, Schweden und Neuseeland ist der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika verboten. Auch in Deutschland gibt es eine zwischen der Industrie und der Regierung beschlossene Selbstverpflichtung.
Ein schleichender Ausstieg ist für 2020 geplant. Neueste Untersuchungen zeigen jedoch eine gegenläufige Entwicklung: Die Anzahl von mikroplastikhaltigen Produkten steigt, anstatt zu sinken.

Die Verwendung von Mikroplastik lässt sich jedoch leicht einschränken, da es längst auch umweltfreundliche Alternativen dazu gibt. Dazu gehört beispielsweise die „Cellulose“.


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